Lahnstein. Die Berufsbildende Schule Lahnstein spendet ihrer ruandischen Partnerschule in Nzuki eine  Wasseraufbereitungsanlage, die mit Solarenergie betrieben wird. Erfunden hat sie BBS-Lehrer Hermann Pfeifer.

Wasser bedeutet Leben. Sauberes Trinkwasser ist gerade im afrikanischen Ruanda für viele Menschen ein kostbares Gut, das keineswegs selbstverständlich ist. Wasser ist fast immer mit Keimen belastet und muss stets abgekocht werden. Das gilt auch für die Partnerschule St. Josef in Nzuki, zu der die Berufsbildende Schule (BBS) Lahnstein seit zwei Jahren eine Partnerschaft unterhält. In wenigen Wochen nun wird eine Wasseraufbereitungsanlage, betrieben mit Solarenergie, auf die Reise nach Ruanda gehen, die in der BBS Lahnstein entwickelt und gebaut wurde. Gestern übergaben BBS-Schulleiter Bernward Zenzen, Erfinder Hermann Pfeifer und Schüler die Anlage an Innenminister Roger Lewentz, dessen Ministerium den Transport nach Ruanda übernehmen wird. So können künftig in der Partnerschule St. Josef täglich 500 Liter Brauchwasser in 500 Liter sauberes und keimfreies Trinkwasser für die Schule und die Schüler aufbereitet werden.

„Es könnte ein Pilotprojekt für ganz Ruanda werden“, sagte Zenzen, der von der engagierten Arbeit seines Kollegen begeistert ist, beim „Stapellauf“ der Anlage. „Er hat endlos viele Stunden mit der Entwicklung zugebracht. Oft kam er in mein Büro und sagte ,Ich habe ein Problem, aber ich habe es schon gelöst!‘.“ Das Besondere an der Aufbereitungsanlage ist, dass sie auch mit einfachstem Werkzeug zu betreiben, zu warten oder gegebenenfalls zu reparieren ist. Beispielsweise können Solarelemente mithilfe einer Rohrzange gewechselt werden anstatt sie zu löten. „Es ist alles genauestens durchdacht“, stellte Zenzen fest.

Während seiner Rede gluckert das erste saubere Wasser in den großen Kunststofftank und bietet Hermann Pfeifer Gelegenheit, den Gästen die Anlage im Detail zu erklären. Nur so viel: Das verschmutzte Brauchwasser wird in einem geschlossenen Kreislauf über Wärmetauscher auf eine Temperatur von etwa 80 Grad Celsius erwärmt, sodass Bakterien absterben und das Wasser bedenkenlos getrunken werden kann. Die Energie liefert die Solaranlage, „denn Sonne gibt es genug in Ruanda“, sagt Pfeifer, der aus dem Westerwald stammt und in Hübingen lebt. „Es handelt sich um eine autarke Wiederaufbereitungsanlage, die sich für den dezentralen Einsatz in ländlichen Gebieten eignet.“ Im „Land der Tausend Hügel“, wie Ruanda auch genannt wird, in dem ein Großteil der Bevölkerung in kleinen Dörfern mit Lehmhütten wohnt und es kaum Infrastruktur gibt, sicherlich eine sehr wertvolle Erfindung, die, so glauben Zenzen und Pfeifer, nach dem in der BBS entwickelten Vorbild, vielleicht auch an anderen Standorten, wie etwa an Krankenhäusern eingesetzt werden könnte.

Oder in anderen Schulen durch andere Partnerschulen, wie es sie in Rheinland-Pfalz in großer Zahl gibt. Die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda besteht seit nun 34 Jahren, erläuterte Roger Lewentz. „Es gibt 50 Kommunen, 230 Schulen und Kindergärten, 58 Vereine und 17 Pfarreien, die sich für die Bevölkerung in Ruanda einsetzten. Wir wollen, dass die Menschen dort menschenwürdig leben können, dass sie sich ernähren und sich eine Zukunft aufbauen können“, sagte der Minister, der das Land in ZentralaSolaranlage_2frika bereits selbst mehrmals besucht hat. Wie sehr die Ruander mit „Rhénanie-Palatinat“ (so heißt es auf Französisch) verbunden und wie dankbar sie seien, habe ihm anlässlich eines Besuches die Frage eines Einheimischen gezeigt. „Ich wurde gefragt, wo in Rheinland-Pfalz dieses Deutschland eigentlich liege“, erzählt er. „Schüler und Lehrer haben hier etwas geschaffen, was in Ruanda vielen Menschen helfen wird. Das, was in der BBS Lahnstein jetzt und in der Vergangenheit geleistet wurde, sei ein tolles Engagement und fördere den Gedanken für eine Welt.

Partnerschaftliche Kontakte nach Ruanda pflegt die BBS seit vielen Jahren, wie Martina Groß, die gemeinsam mit Manuela Altenkamp die Projekte betreut, erklärte. „Seit zwei Jahren sind wir Partnerschule der Berufsschule St. Josef“, darüber hinaus gebe es weitere Kontakte nach Ruanda, die unter anderem durch Erwin und Liselotte Rahe aus Hambach bei Diez zustande gekommen sind. Das Ehepaar war ebenfalls zu Gast und konnte einen Scheck in Höhe von 600 Euro entgegennehmen, den die BBS-Schüler bei ihrer Ruanda-Projektwoche im Sommer erwirtschaftet hatten.

(Redakteurin Karin Kring; http://www.rhein-zeitung.de/region/lokales/bad-ems_artikel,-sauberes-trinkwasser-fuer-schueler-in-ruanda-_arid,1426638.html, 14.01.2016)